GRASHÜPFER-Logo

Autorin:

Eva Reuter

 

Pastoralreferentin in der Citypastoral Kirche & Co., Darmstadt

 

 

GRASHÜPFER-Cover

Das Familienmagazin für Darmstadt und Umgebung

GRASHÜPFER-Schriftzug

Richtig schön streiten!

 

Was ist an einem Streit schön? Diese Frage ist eine echte „Erwachsenen-Frage“. Erwachsene haben häufig ein großes Bedürfnis nach Harmonie und Ruhe – besonders in den eigenen vier Wänden. Da stören Streitigkeiten zwischen Kindern.

 

Kinder finden Streit aber meistens gar nicht so schlimm, sogar manchmal richtig gut. Gründe zum Streiten gibt es ja so viele: um Besitzverhältnisse („Mein Bagger!“), um Macht („Ich bin der Bestimmer!“), um Anerkennung („Ich will mitspielen!“) oder um die Aufmerksamkeit der Eltern. In jedem Fall ist Streit zwischen Kindern ganz normal und gehört zu einer gesunden Persönlichkeits-entwicklung. Auch wenn es für Erwachsene manchmal schwer auszuhalten ist, sollten Streitigkeiten unter Kindern erst mal akzeptiert werden.

 

Richtig schön streiten will aber auch gelernt sein: Wie für alle anderen Formen der Kommunikation braucht es Übung. Und ein paar Regeln, damit die Sache nicht aus dem Ruder läuft.

Drei wichtige Regeln sind:

 

1. Keine Gewalt! (Beißen, Treten, Spucken sind tabu)

 

2. Fair bleiben! (Argumente, Meinungen, keine Beleidigungen)

 

3. Emotional sein ist okay (Eigene Gefühle äußern ist gut, aber ohne andere zu verletzen oder zu beleidigen: „Ich bin so wütend auf dich!“ statt „Du bist so gemein zu mir!“)

 

Manchmal ist das aktive Eingreifen in einen Streit nicht vermeidbar. Wann der richtige Zeitpunkt ist, hängt vom Alter der Kinder und der Situation ab. Dann muss ich als Erwachsene abwägen, worum es geht: Besteht die Gefahr, dass sich jemand verletzt? Besteht grundsätzlicher Klärungsbedarf? Möchte ich jetzt einfach Ruhe haben? – Je nachdem gestalte ich meine Intervention. Ein paar Strategien kann ich mir vorher zurecht legen:

 

1. Ich bin neutral! Ich lasse mir von beiden Streitparteien ihre Sicht der Dinge erzählen, ergreife aber nicht Partei.

 

2. Ich kann der Schiedsrichter sein, wenn die Kinder das wollen. Ich erinnere an Streitregeln und achte auf deren Einhaltung, aber ich entscheide nicht, wer im Recht ist.

 

3. Ich erzwinge keine Einigung nach meinen Vorstellungen. Ich helfe beim Finden von Lösungen durch die Kinder.

 

Kinder können Konflikte (ihrem Alter entsprechend) oft sehr gut alleine lösen. Dafür haben sie ganz unterschiedliche Strategien. Manchmal sind diese Strategien für Erwachsene irritierend: Vor allem jüngere Kinder beenden Konflikte zuweilen einfach durch Aufhören. Ein Streithahn sagt „Wollen wir uns wieder vertragen?“ und alles ist in Ordnung. Kinder sind selten nachtragend – das erleichtert die Konfliktlösung auf diesem Weg.

 

Wenn die Wut sehr groß ist, kann es sein, dass sich die Streitenden einfach aus dem Weg gehen. Wenn die größte Wut verraucht ist, finden die Kinder oft von alleine wieder zusammen.

Aber auch Konfliktlösung wie Erwachsene sie sich vorstellen, gelingt Kindern oft erstaunlich gut: nachgeben oder Kompromisse schließen.

Gerade bei dieser Form brauchen die Kinder eventuell Unterstützung von mir als Erwachsenem. Ich kann Vorschläge machen, aber ich sollte den Kindern die Möglichkeit eröffnen, ihren eigenen Weg zu finden. Sind die Kinder zufrieden, sollte ich es auch sein.

 

Bei allen Interventionen ist es wichtig, klare Botschaften zu senden. Weder Grundsatzdebatten noch lange Reden über Moral helfen in einer akuten Streitsituation. Sollte ein grundsätzliches Problem nach einem oder mehreren Streits sichtbar werden, muss es in einer ruhigen Phase besprochen und geklärt werden.

Mit diesen Ansätzen kann man „richtig schön streiten“ – Übung macht den Meister!

 

zurück zur Übersicht

Impressum/Datenschutz

facebook

Kontakt