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Autorin:

Ute Zink-Iosi

 

Inhaberin

der Gemüsekiste in Riedstadt-Leeheim

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Hilfe, mein Kind isst kein Gemüse!

 

Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört. Aber ganz ehrlich: Essen Sie selbst denn gerne Gemüse? Genießen Sie es, neue Gemüsesorten und Rezepte auszuprobieren? Wissen Sie, wann welches Gemüse, welches Obst Saison hat? Lassen Sie Ihr Kind beim Kochen helfen?

 

Kleine Kinder nehmen sich die Eltern, aber auch ältere Geschwister oder Großeltern als Vorbilder. Wenn sie sehen, dass diese Bezugspersonen bestimmte Lebensmittel gerne essen, dass sie es lieben, Gerichte zusammen zuzubereiten oder gemeinsam am Tisch zu sitzen, dann wollen sie selbst dabei sein. Schwierig wird es aber, wenn bestimmte Lebensmittel nur für das Kind eingekauft werden, die Eltern aber selbst ganz anders essen. Also: Gemüse und Obst nur fürs Kind, Eltern essen Fast Food, oder: Bio für das Kleinkind, Eltern kaufen für sich selbst konventionell ein. Ein Kleinkind versteht hier nicht „Wir tun dir etwas Gutes“, sondern „Ich darf nicht essen, was alle anderen bekommen“. Und lehnt folgerichtig die angebotenen Lebensmittel ab.

Was also tun?

 

Versuchen Sie, Ihrem Kind zu vermitteln, dass (gesundes) Essen Spaß macht und Genuss bedeutet. Also: Schon vor der Geburt nimmt die Mutter Einfluss auf die Geschmacksvorlieben ihres Kindes. Das Ungeborene registriert Aromen im Fruchtwasser, gewöhnt sich zum Beispiel an den Geschmack von Kohl oder Knoblauch, aber eben auch an den Geschmack von Süßem.

Bieten Sie dem Säugling die neuen Lebensmittel immer wieder an, auch wenn er sie am Anfang ablehnt. Häufig benötigt er ein Dutzend oder mehr Anläufe, bis er auf den Geschmack kommt. Und niemals zwingen! Lassen Sie Ihrem Kind Zeit, sich an die neuen Geschmäcker zu gewöhnen.

 

Machen Sie es vor! Achten Sie darauf, dass die gesamte Familie die gleichen Lebensmittel isst. Das geht auch in Variationen. So haben wir etwa, als unsere Kinder angefangen haben, am Tisch mitzuessen, das Gemüse zunächst ohne Gewürze zubereitet. Dazu haben wir einen Teil zur Seite genommen und danach erst unser Essen gewürzt. Das Gemüse fürs Kind kann man dann, je nach Alter, noch pürieren.

 

Lassen Sie Ihr Kind beim Kochen helfen. Schon Zweijährige können kleine Aufgaben übernehmen. Ältere Kinder können viele Gerichte auch schon alleine zubereiten. Und es geht noch mehr: Unsere Tochter hatte an ihrem 15. Geburtstag zum gemeinsamen Kochen (und anschießendem Film-Anschauen) eingeladen. Die Gruppe hat tatsächlich ein Drei-Gänge-Menü auf die Beine gestellt, das viele Erwachsene überfordern würde.

 

Lassen Sie Ihr Kind die verschiedenen Lebensmittel selbst entdecken: Gehen Sie mit ihm auf den Markt oder besuchen Sie einen (Bio-)Bauernhof. Eine tolle Sache für kleine Kinder (aber auch deren Eltern) sind auch Abokisten: Hier kommt jede Woche eine Kiste voller saisonaler Gemüse- und Obstsorten als Überraschung. So kann die ganze Familie einen kulinarischen Gang durch die Jahreszeiten erleben und viele neue Gemüse- und Obstsorten entdecken. Die in der Regel beiliegenden Rezepte helfen dabei.

 

Seien Sie nicht zu streng. Erlauben Sie Süßes, es muss ja nicht der ganze Vorratsschrank damit gefüllt sein. Wir hatten zum Beispiel nie Cola oder Fanta zu Hause, aber wenn wir bei Bekannten oder im Restaurant waren, durften die Kinder selbstverständlich beides trinken. Sie haben es als eine Besonderheit genossen, aber noch heute trinken sie am liebsten Mineralwasser. Und auch ein Besuch bei McDonalds war nicht verboten.

 

Jedes Kind kann Freude an vielseitigem und hochwertigem Essen finden und lernen, seine Speisen mit Bedacht auszuwählen. Am besten gelingt dies durch gemeinsame Erfahrungen: Gemeinsam Nahrungsmittel auswählen und entdecken, gemeinsam zubereiten und zusammen essen. Es ist nie zu spät, damit anzufangen, und das Gefühl von Geselligkeit und Zugehörigkeit, das auf diese Weise entsteht, kann Ihr Kind (und natürlich auch die ganze Familie) durch das ganze Leben begleiten. Was gibt es Schöneres?

 

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